Osternachtfeier mit Eiern, Weck und Glühwein
von Franz Gabath
Böhl-Iggelheim- Lautes Geklapper erfüllte am Ostersamstag ab 9:30 Uhr die Straßen des Ortsteil Böhl. Über 20 Messdienerinnen und Messdiener der katholischen Pfarrei „Allerheiligen“ zogen in mehreren Gruppen durch die Straßen, um mit ihren „Holzinstrumenten“, den „Klappern“ eben, die Bewohner auf den Ostersonntag einzustimmen und an die nahe Auferstehung Christi zu erinnern. Ein alter Brauch, der in Böhl seit Jahrzehnten unterbrochen gepflegt wird und an dem sich in diesem Jahr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von 8 bis über 20 Jahre beteiligten. Den meisten Bewohnern Böhl´s ist das ein gewohntes Bild und ein bekannter Klang in den Ohren. Die jungen Leute werden mit Geld, Süßigkeiten und dem Anlass angemessen mit bunten Eiern beschenkt. Die „Klapper“ ist auch ein Ersatz für die Glocken und Schellen in den Gottesdiensten ab Gründonnertag und Karfreitag. Nach alter Überlieferung fliegen die Glocken im Gründonnerstagsgottesdienst nach Rom um dann erst zum Gloria in der Osternacht wieder zurückzukehren und stimmgewaltig die Auferstehung Jesu Christi zu verkünden.
Zur gemeinsamen Feier der hl. Osternacht trafen sich die katholischen Christen der Pfarreien „Allerheiligen“ Böhl und „St. Simon und Judas Thaddäus“ Iggelheim in der Pfarrkirche in Iggelheim. Für die Christen auf der ganzen Welt ist Ostern das „Fest der Feste“, das höchste Fest im Kirchenjahr. Die Wertschätzung gerade dieses Festes steigt in den letzten Jahren, in denen immer mehr Menschen wieder die Frage nach dem Sinn des Lebens fragen, permanent. So hatten sich nach Anbruch der Dunkelheit auch in Iggelheim vor der Pfarrkirche zahlreiche Gläubige versammelt.
Landtagsabgeordneter Johannes Zehfuß (CDU) hatte, wie in den letzten Jahren auch, auf dem Kirchenvorplatz das Osterfeuer entzündet. In ihm wurden die alten Palmsträuße, die in den Häusern an den Kreuzen steckten verbrannt. Sie waren am Palmsonntag durch neue ersetzt worden. Der Volksmund spricht auch „vom Judas- Verbrennen“ in Anspielung an den Apostel, der Jesus an seine Feinde verraten hatte.
Am Osterfeuer wurde dann die Osterkerze entzündet. Sie ist das Sinnbild für den vom Tod auferstandenen Christus und brennt das ganze Jahr bei jedem Sonntagsgottesdienst, an Feiertagen und besonderen Festen während den Gottesdiensten.. Danach zogen die Gläubigen in die dunkle Kirche ein. Hier entzündeten die Besucher an der Osterkerze ihre eigenen Kerzen. Es war ein eindruckvolles Erlebnis, als sich nach und nach die Kirche durch den immer größer werdenden Kerzenschein erhellte und erstrahlte. Viele Gläubige hatten auch Laternen mitgebracht um das Osterlicht nach dem Gottesdienst mit nach Hause zu nehmen. Einer alten Tradition folgend hatten auch Gläubige Speisen, wie Schinken Eier, Brot und Osterhasen vor den Altar gebracht, die im Ostergottesdienst gesegnet wurden.
Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament, von der Erschaffung der Welt oder dem Zug der Israeliten durch das Rote Meer folgten und leiteten zum Evangelium von der Auferstehung über. “Er ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden“ ist der Grundtenor von Ostern. „Das ist die zentrale Aussage unseres Glaubens“. „Denn wäre Jesus Christus nicht auferweckt worden ist unsere Verkündigung leer und unser Glaube sinnlos“ wie der Apostel Paulus an die Korinther schreibt.
In der Urkirche wurden in der Osternacht die neuen Gemeindemitglieder getauft, was auch in den vergangenen Jahren auch in Böhl-Iggelheim immer wieder der Fall war.
Den passenden musikalischen Rahmen des feierlichen Hochamtes bildeten die Gesänge des katholischen Kirchenchors Iggelheim, unter der Leitung von Bettina Oster.
Nach dem Festgottesdienst gingen die meisten der Besucher, trotz des kühlen Wetters, nicht gleich nach Hause. Es ist in den Böhl-Iggelheimer Pfarrgemeinden ein seit Jahren gepflegter, lobenswerter Brauch, sich nach der Auferstehungsfeier noch um das Osterfeuer zu versammeln. Hier wurde auch dieses Jahr bei einem Glas Wein, Ostereiern und Weck, die kostenlos verteilt wurden, noch längere Zeit verweilt. Dem Wetter angepasst hatte Johannes Zehfuß sofort reagiert, einen Topf besorgt, und am Osterfeuer Glühwein zubereitet. Diese österliche Runde trägt viel zur Verständigung in den beiden Pfarreien bei. Das gemeinsame Feiern ist auch ein wichtiger Punkt bei den katholischen Christen, die einen Glauben der Freude, der Fröhlichkeit und der Hoffnung ihr Eigen nennen.
Die Erstkommunionkinder der beiden Pfarreien hatten während der Erstkommunionvorbereitung kleine Osterkerzen gestaltet, die zum Verkauf an die Kirchenbesucher verkauft wurden. Der Erlös ist für das Kinderheim des Annastiftes in Ludwigshafen bestimmt.
Die Jugendlichen der „Jungen Kirche“ hatten Osterlämmer und Osterkuchen gebacken, die sie zum Verkauf anboten um mit dem Erlös ihre Jugendkasse aufzubessern. Bilder: fg
08.04.2012